Zinseszins klingt nach Mathevorlesung, ist aber eigentlich eine simple Idee. Beim einfachen Zins bekommen Sie jedes Jahr Zinsen nur auf das, was Sie ursprünglich eingezahlt haben. Beim Zinseszins wandern die Zinsen jedes Jahr aufs Kapital drauf und werden ab dann mitverzinst. Sie verdienen also Zinsen auf Ihre Zinsen. Das klingt nach wenig und ist über lange Zeiträume enorm.
Rechnen wir es einmal durch
Nehmen wir 10.000 Euro zu 6 Prozent. Nach dem ersten Jahr sind daraus 10.600 Euro geworden, nichts Aufregendes. Nach zehn Jahren stehen rund 17.900 Euro da. Und nach dreißig Jahren? Etwa 57.400 Euro. Ohne den Zinseszins, also mit reinem einfachem Zins, wären es nach denselben dreißig Jahren nur 28.000 Euro. Der Effekt hat das Ergebnis mehr als verdoppelt, und Sie haben dafür keinen Finger gerührt.
Zeit schlägt Sparrate
Die meisten glauben, es käme vor allem auf die Höhe der Rendite oder der monatlichen Sparrate an. Wichtiger ist die Laufzeit. Wer mit 25 anfängt statt mit 35, gewinnt zehn Jahre, und ausgerechnet diese frühen Jahre wiegen am Ende am schwersten, weil sie am längsten verzinst werden. Anders gesagt: Der beste Zeitpunkt zum Anfangen war vor zehn Jahren, der zweitbeste ist heute.
Die 72er-Regel für den Kopf
Wenn Sie unterwegs kein Rechenblatt zur Hand haben, hilft eine alte Faustformel: 72 geteilt durch den Zinssatz ergibt ungefähr die Jahre bis zur Verdopplung. Bei 3 Prozent dauert es also rund 24 Jahre, bei 6 Prozent etwa 12, bei 9 Prozent nur noch 8. Man sieht sofort, wie stark schon ein paar Prozentpunkte mehr ins Gewicht fallen.
Worauf es praktisch ankommt
Damit der Effekt überhaupt wirken kann, müssen die Erträge im Topf bleiben statt entnommen zu werden, bei Fonds heißt das thesaurierend. Ein regelmäßiger Sparplan legt noch einen drauf, weil ständig frisches Kapital dazukommt. Und ein oft unterschätzter Punkt: Gebühren wirken wie ein Zinseszins mit umgekehrtem Vorzeichen und fressen über Jahrzehnte einen erstaunlich großen Anteil. Halten Sie die Kosten niedrig.
Kurz gesagt
Der Zinseszins belohnt vor allem eins: Geduld. Selbst kleine Beträge werden über die Jahre zu Summen, die man einer monatlichen Sparrate gar nicht zutraut. Spielen Sie im Rechner ruhig ein paar Laufzeiten durch, dann bekommen Sie ein Gefühl dafür, wie sehr die Zeit den Unterschied macht.