Bis vor Kurzem änderten viele Tankstellen ihre Preise teils mehr als zwanzigmal am Tag. Wer zur falschen Minute kam, zahlte drauf, ohne es zu merken. Das sollte die neue Regel ändern. Hat sie auch, nur anders als viele erwartet hatten.
Was die 12-Uhr-Regel besagt
Seit dem 1. April 2026 dürfen Tankstellen in Deutschland ihre Preise nur noch einmal täglich anheben, und zwar um 12 Uhr mittags. Senkungen sind weiterhin jederzeit erlaubt. Die Idee dahinter kommt aus Österreich, wo es eine ähnliche Regel seit Jahren gibt: weniger Preissprünge, mehr Planbarkeit für Autofahrer.
Das Ergebnis nach ein paar Monaten ist gemischt. Die Zahl der Preisänderungen ist deutlich gesunken, und man weiß jetzt, wann es teurer wird. Billiger geworden ist Tanken dadurch aber nicht. Der ADAC hat im Mai 2026 die Daten von mehr als 14.000 Tankstellen ausgewertet: Um 12 Uhr steigen die Preise im Schnitt um 14,6 Cent pro Liter bei Super E10 und um 18,4 Cent bei Diesel. Danach sinken sie über den Nachmittag und Abend schrittweise wieder, bis zum nächsten Mittag. Der Automobilclub fordert inzwischen, die Regel wieder abzuschaffen.
Der beste Zeitpunkt: kurz vor Mittag
Die praktische Konsequenz ist einfach. Am günstigsten ist es im Schnitt kurz vor 12 Uhr, wenn die Preise ihren Tiefpunkt erreicht haben. Laut ADAC liegen sie dann rund 3,7 Cent (E10) beziehungsweise 4,3 Cent (Diesel) unter dem Tagesdurchschnitt. Am teuersten ist es direkt nach dem Sprung. Wer um 12:05 Uhr tankt statt um 11:50 Uhr, zahlt bei 50 Litern Diesel schnell neun Euro mehr für genau dieselbe Menge.
Das ist ein Durchschnitt. An einzelnen Tankstellen kann es anders aussehen, etwa an der Autobahn, wo ohnehin höhere Preise gelten, oder in Gegenden mit wenig Konkurrenz. Die Tank-Apps, die ihre Daten aus der Markttransparenzstelle für Kraftstoffe beziehen, zeigen die aktuellen Preise aller Tankstellen in der Umgebung minutengenau.
Und der Wochentag?
Früher hielt sich die Faustregel, dass Montag der billigste und Freitag oder der Beginn der Ferien der teuerste Tag sei. Die Unterschiede zwischen den Wochentagen sind aber klein im Vergleich zu denen innerhalb eines Tages. Wer sich merkt, nicht direkt nach 12 Uhr zu tanken, hat den größten Teil der möglichen Ersparnis schon mitgenommen.
Warum Sprit überhaupt so teuer ist
Im September 2026 hat Super E10 im Bundesschnitt mit rund 2,30 Euro ein neues Allzeithoch erreicht, Diesel lag mit gut 2,40 Euro knapp darunter. Wie sich so ein Preis zusammensetzt, erklärt, warum er sich so schwer drücken lässt.
Ein großer Teil ist fix. Auf jeden Liter Benzin fallen rund 65 Cent Energiesteuer an, auf Diesel rund 47 Cent. Dazu kommt der CO2-Preis aus dem nationalen Emissionshandel, der 2026 in einem Korridor von 55 bis 65 Euro pro Tonne liegt und damit je Liter mehr als zehn Cent ausmacht. Auf die Summe aus Produktpreis, Steuern und CO2-Abgabe wird dann noch 19 Prozent Mehrwertsteuer aufgeschlagen, also auch auf die Steuern selbst. Der Rest ist der eigentliche Produktpreis, der vom Rohöl, vom Dollarkurs, von den Raffineriemargen und vom Wettbewerb vor Ort abhängt.
Diesel ist dabei ein Sonderfall. Obwohl er niedriger besteuert wird, ist er gerade teurer als Benzin, unter anderem weil er am Weltmarkt mit Heizöl und Kerosin um dieselben Raffinerieprodukte konkurriert.
Lohnt der Umweg zur billigen Tankstelle?
Manchmal liegen zwischen zwei Tankstellen zehn Cent. Ob sich die Fahrt dorthin lohnt, hängt von drei Dingen ab: wie viel Sie tanken, wie weit der Umweg ist und wie viel Ihr Auto verbraucht. Bei vollem Tank und ein paar Kilometern Umweg lohnt es sich meistens, bei 15 Litern Nachfüllen oft nicht. Die genaue Antwort mit Ihren Zahlen liefert der Tankstellen-Umweg-Rechner. Er zeigt auch, ab welcher Tankmenge sich der Weg überhaupt trägt.
Die kürzeste Version
Nicht zwischen 12 und 13 Uhr tanken, sondern kurz vorher oder später am Tag. Die Preise in einer App vergleichen, bevor man losfährt. Umwege nur, wenn der Tank wirklich leer ist. Und den größten Hebel nicht vergessen: den eigenen Verbrauch. Was dort drin ist, steht im Ratgeber Sprit sparen, was eine konkrete Fahrt kostet, zeigt der Spritkosten-Rechner.