Die meisten Menschen sparen nicht ins Blaue hinein, sondern haben ein Ziel vor Augen. Das Eigenkapital für die erste Wohnung, ein neues Auto, eine längere Reise oder einfach ein Polster, mit dem man ruhiger schläft. Für all das hilft nicht die Frage, was aus hundert Euro im Monat einmal wird, sondern die umgekehrte: Wie viel muss ich monatlich zurücklegen, damit am Stichtag der gewünschte Betrag zusammenkommt?
Genau diese Rechnung dreht das Sparen vom Kopf auf die Füße. Man beginnt beim Ziel und arbeitet sich zur nötigen Rate zurück. Wie hoch diese ausfällt, hängt an drei Stellschrauben, und es lohnt sich, jede einzeln anzuschauen.
Die drei Hebel: Zeit, Startkapital, Rendite
Der wichtigste Hebel ist die Zeit. Je länger der Sparzeitraum, desto mehr Arbeit übernehmen die Zinsen und desto kleiner darf die eigene Rate sein. Wer fünfzehn Jahre Zeit hat, kommt mit einem Bruchteil dessen aus, was jemand mit nur fünf Jahren aufbringen müsste. Der Grund dahinter ist der Zinseszins, auf den wir gleich noch kommen.
Der zweite Hebel ist ein möglicher Startbetrag. Wer bereits etwas beiseitegelegt hat, gibt diesem Kapital von Anfang an mehr Zeit zu wachsen. Schon ein moderater Startbetrag senkt die nötige Monatsrate spürbar, weil er über die gesamte Laufzeit Rendite abwirft. Der dritte Hebel ist eben diese Rendite, also der Zinssatz, mit dem das Ersparte verzinst wird oder mit dem ein Wertpapierdepot im Schnitt wächst.
Warum der Zinseszins alles verändert
Der Zinseszins ist der Grund, warum frühes Sparen so viel stärker wirkt als spätes. Er sorgt dafür, dass nicht nur das eingezahlte Geld Zinsen bringt, sondern auch die bereits gutgeschriebenen Zinsen wieder verzinst werden. In den ersten Jahren merkt man davon wenig. Über zwei oder drei Jahrzehnte macht dieser Effekt aber den größten Teil des Endkapitals aus.
Praktisch heißt das: Wer mit dreißig anfängt, kann mit einer kleinen Rate mehr erreichen als jemand, der mit vierzig doppelt so viel spart. Zeit lässt sich später nicht nachkaufen. Wie stark der Effekt über die Jahre anwächst, zeigt der Ratgeber Zinseszins erklärt im Detail.
Welche Rendite realistisch ist
An dieser Stelle wird viel geträumt und wenig gerechnet. Sicheres Tagesgeld bringt je nach Zinsphase nur wenige Prozent, manchmal kaum mehr als die Inflation. Ein breit gestreuter Aktien-Sparplan, etwa auf einen weltweiten Index, hat über lange Zeiträume im Schnitt deutlich mehr abgeworfen, grob vier bis sieben Prozent pro Jahr. Der Preis dafür sind Schwankungen: In einzelnen Jahren kann es kräftig nach unten gehen.
Für die Planung heißt das zweierlei. Wer das Geld in wenigen Jahren sicher braucht, etwa als Eigenkapital für einen bald anstehenden Kauf, sollte kein Risiko eingehen und mit einer niedrigen Rendite rechnen. Wer einen langen Horizont hat, kann eine höhere Rendite ansetzen, sollte aber lieber vorsichtig kalkulieren. Es ist angenehmer, das Ziel früher zu erreichen als gedacht, als am Ende eine Lücke zu haben.
Die Inflation nicht vergessen
Ein Zielbetrag klingt heute nach viel und kann in zwanzig Jahren enttäuschend wenig sein. Denn die Inflation nagt an der Kaufkraft: Was heute 50.000 Euro wert sind, kauft in zwei Jahrzehnten spürbar weniger ein. Wer ein reales Ziel verfolgt, sollte den Betrag also höher ansetzen oder gedanklich mit der Rendite nach Abzug der Inflation rechnen. Der Inflationsrechner hilft dabei, die Größenordnung einzuschätzen.
Dranbleiben schlägt Optimieren
So wichtig die Zahlen sind, das eigentliche Geheimnis ist unspektakulär: Regelmäßigkeit. Ein Dauerauftrag, der die Rate automatisch abbucht, bevor das Geld ausgegeben werden kann, wirkt zuverlässiger als jeder gute Vorsatz. Wer die Rate direkt nach dem Gehaltseingang wegbucht, merkt sie im Alltag kaum und läuft nicht Gefahr, das Sparen Monat für Monat aufzuschieben.
Der Rechner zeigt Ihnen, welche monatliche Rate Ihr Ziel unter Ihren Annahmen tatsächlich verlangt. Spielen Sie ruhig ein paar Varianten durch, mit mehr Zeit, mit einem Startbetrag, mit einer vorsichtigeren Rendite. Meist wird schnell klar, dass die beiden stärksten Hebel früh anfangen und dranbleiben heißen, nicht die Suche nach dem letzten Zehntelprozent Rendite.